Vorfreude aufs Jubiläum

Trachtenverein feiert nächstes Jahr 90-jähriges Bestehen – Bürgermeister als Schirmherrn gewonnen

von Kurt Singer

Eine "innige" Bitte richteten die Mitglieder des Festausschusses (von links) Konrad Schmauß, Josef Straßl, Thomas Eiglsperger, Lieserl Schwiebacher, Karl Maier und Alfred Edmaier an den künftigen Schirmherren. Diesen Wunsch konnte Bürgermeister Wolfgang Beißmann (stehend Mitte) nicht abschlagen. Er sagte zu, die Schirmherrschaft für das im April des kommenden Jahres stattfindende 90-jährigen Gründungsfest zu übernehmen. Vorsitzender Anderl Schwiebacher (rechts) – ihm wurde wegen lädierter Gliedmaßen das Scheitlknien erlassen – und Festwirt Helmut Dadlhuber (links) sind darüber sichtlich erfreut. − Foto: Singer

 

Pfarrkirchen. Dem Heimat- und Volkstrachtenerhaltungsverein stehen am 16. und 17. April 2016 große Tage ins Haus: Die kurz als "Trachtenverein" bezeichnete Gemeinschaft feiert ihr 90-jähriges Gründungsfest, gleichzeitig ist sie mit der Ausrichtung des niederbayerischen Gautrachtenfestes beauftragt. Dass ein so großes Fest ohne Schirmherrn undenkbar ist, versteht sich von selbst.

So hatten die Trachtler Bürgermeister Wolfgang Beißmann in ihr Vereinsheim eingeladen, um ihn zur Übernahme der Schirmherrschaft zu bitten. "Kein noch so sorgfältig ausgewählter Termin garantiert für schönes Wetter", meinte Vorsitzender Anderl Schwiebacher. "Dafür ist einzig und allein der Schirmherr zuständig." Das in der Macht der Trachtler Stehende werde vom Festausschuss, der aus bereits beim 75-jährigen Jubiläum tätigen "alten Hasen" und neu hinzugekommen Jungen besteht, mit großer Sorgfalt erledigt. Dies gilt auch für Festwirt Helmut Dadlhuber, der am 15. April des nächsten Jahres für eine ansprechende Auftaktveranstaltung sorgen wird.

"Wenn man beim Trachtenverein Schirmherr werden darf, dann erfüllt das mit Stolz", meinte Bürgermeister Wolfgang Beißmann. Pfarrkirchen dürfe sich auf dieses von einem wichtigen Verein der Stadt organisiertes Fest freuen. "Des is g‘wiß koa oider Huat" lautet das Motto des Vereinsjubiläums. Dieses nahm der Bürgermeister zum Anlass, dem Trachtenverein zu bescheinigen, dass er ein im Leben stehender Verein ist, in dem alle Generationen vereint sind. "Mit den Trachtlern können wir stolz auf unsere Tradition und unsere Kultur sein", betonte er. Besonders freute sich der Bürgermeister über die Tatsache, dass der Trachtenverein Eggenfelden – er war mit seinen Vorständen Roswitha Sporrer, Norbert Männer und Christian Schiebelsberger vertreten – der Patenverein sein wird.

Ganz ohne Vorleistungen wollte Beißmann das ihm angebotene Ehrenamt dann doch nicht übernehmen. So mussten die Mitglieder der Vorstandschaft und des Festausschusses einige "Prüfungen" – so auch das nicht ganz schmerzfreie "Scheitelknien" – über sich ergehen lassen, bis der Rathauschef zufrieden gestellt war. Dass bei den Prüfungen eine der Aufgaben lautete, ihm einen Aufnahmeantrag für den Trachtenverein beizubringen – bis zu dessen Aushändigung "durften" die Festausschussmitglieder auf den Holzscheit "ruhen" – wurde mit großem Beifall bedacht. Die Zusage Beißmanns zu Übernahme der Schirmherrschaft wurde anschließend in gemütlicher Runde gefeiert. Die Trachtenblaskapelle sorgte dabei für die musikalische Unterhaltung.

 

Quelle: www.pnp.de

 

Harte Fron mit Zusage belohnt

Patenbitten der Pfarrkirchner Trachtler – Nach schmerzhafter Prozedur stimmen Eggenfeldener zu

Die Pfarrkirchener Trachtler flehten ihre Eggenfeldener Spezln an,
die Patenschaft für ihr Vereinsjubiläum zu übernehmen. − Fotos: X. Eder

 

Pfarrkirchen/Eggenfelden. Wer, wenn nicht der Trachtenverein, hält Sitten und Gebräuche in Ehren? Und dazu gehört zweifellos das Patenbitten. Da kam es den Trachtlern gerade recht, dass ihre Spezln aus Pfarrkirchen am 16. und 17. April des kommenden Jahres ihr 90-jähriges Gründungsfest feiern und dafür unbedingt einen Paten benötigen.

So machten sich also die Kreisstädter, "bewaffnet" mit einem bayrisch verzierten Leiterwagerl, auf dem zwei Fässer Bier Platz gefunden hatten, in die "heimliche Hauptstadt des Rottals" auf, um in Gern an die Tür des Volkstrachtenvereins Eggenfelden zu klopfen und um Einlass zu begehren. Sogleich trugen sie auch ihre Bitte vor: "Grüaß Gott beinand, d’Pfarrkirchna san do, mia suach ma an Paten fürs Fest ’s nächste Johr. Mia kemma zu Eich und mia hamma a Bitt‘, schickt’s uns bitte ohne ‚Ja‘ ned nach Pfarrkircha zurück." Die Eggenfeldener, "total überrascht" von der nachbarschaftlichen Bitte, gaben sogleich kund, dass man sich das genau überlegen müsse, was aber am besten bei einem "gscheidn Essn" gelingen könnte. Und so gab es Schweinsbraten und süffiges Bier, das der Pfarrkirchener Bürgermeister Wolfgang Beißmann nach gekonnten Schlägen und der Aussage "O’zapft is" aus dem mitgebrachten Fassl sprudeln ließ.

Der Pfarrkirchener Bürgermeister Wolfgang Beißmann (links) zapfte mit drei kräftigen Schlägen
das erste mitgebrachte Bierfass an, tatkräftig unterstützt durch (v. links) Christian Schiebelsberger,
Wilfried Reinisch, Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler und 2. Bürgermeisterin Monika Haderer.

 

Das Eggenfeldener Vorstands-Dreigestirn – Norbert Männer, Christian Schiebelsberger und Roswitha Sporrer – ließ dann sogar noch den Vereinsausschuss aufmarschieren, um intensiv über den Antrag des Nachbarvereins zu beratschlagen. Schließlich der Beschluss: "Mia dad ma scho an Göd und a Godn macha, haben aber ‚etwas Hartes‘ vor." Und schon wurde ein großes, dreieckiges Holzscheit gezeigt, bei dem man die Kanten nicht mehr abrunden konnte, "weil d’Hobelmaschin verreckt is".

Also musste die Pfarrkirchener Delegation, der auch Bürgermeister Wolfgang Beißmann als Schirmherr angehörte, "auf die Knie", um die Bitte nochmals flehentlich vorzutragen. Nur der Anderl Schwiebacher, der "schneidige Vorstand" des Pfarrkirchener Heimat- und Volkstrachtenerhaltungsvereins, bekam, weil er vorgab, schon ganz kaputte Knie zu haben, ein "Weichholz", sprich einen Betschemel, auf dem er sich sichtlich wohl fühlte.

Die lange Zeit des Kniens wurde durch das Servieren von allerlei Süßigkeiten verkürzt. Zuerst mussten mit Schokoglasur überzogene "pikante Sachen" verspeist werden, wobei sich herausstellte, dass im Inneren der Schokolade Essiggurken, oder, noch schlimmer, Peperoni versteckt waren. Der anschließende Wein, mit Essigwasser "versüßt", schmeckte auch nicht besser als die Schokoküsse, in deren Inneren ein großer Spritzer Tabasco-Sauce "lauerte".

Nach diesen harten Prüfungen erleichterte der gastgebende Verein das Scheitlknien, in dem man den so geschundenen Bittstellern sauber abgerundete Birkenscheite unters schon schmerzende Knie schob. Endlich, endlich wurden die Bitten erhört und mit Hochprozentigem "auf eine gute Nachbarschaft" angestoßen.

Das Vorstandstrio Norbert Männer, Roswitha Sporrer und Christian Schiebelsberger (von rechts)
freut sich über den Ehrenkrug, den der Vorsitzende des Pfarrkirchener Vereins, Anderl Schwiebacher, überreichte.

 

Beim abschließenden Gag, pardon, bei den Trachtlern heißt das "Gaudi", musste eine nackte Schaufensterpuppe, alle nannten sie "Anderl", mit den Kleidungsstücken der Pfarrkirchener Vorstandschaft angezogen werden. Dass dabei die Lachmuskeln der Zuschauer erheblich strapaziert wurden, versteht sich von selbst.

Dann gab’s noch einen höchst offiziellen Programmpunkt, wurde doch Roswitha Sporrer für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft und eine sehr engagierte Jugendarbeit ausgezeichnet und Christine Thalhammer als Patenbraut vorgestellt. Das "letzte Wort" war den beiden Bürgermeistern vorbehalten, wobei das hiesige Stadtoberhaupt die enge Zusammenarbeit der beiden Städte hervorhob, nicht nur allein deshalb, weil beide Rathaus-Chefs "Wolfgang" heißen. Grubwinkler wollte aber noch unbedingt ein Foto seines Pfarrkirchener Kollegen, das ihn als flehentlichen Bittsteller an die Eggenfeldener zeigte. "Dieses Bild werde ich in meinem Amtszimmer aufhängen."

Natürlich darf bei einem Fest der Trachtler die Musik nicht fehlen. Und so spielte einmal die kleine Besetzung der Volkstrachtenblaskapelle Pfarrkirchen schneidig auf, an anderes Mal verschönten zum Beispiel Johanna Kronberger an der Harfe und Nicole Wilhelm an der Ziach den Abend.

Quelle: www.pnp.de